Substack vs. Ghost vs. Steady - Wo gibt's die beste Sichtbarkeit?

Ich nutze Ghost. Und empfehle Dir trotzdem gerade Substack. Hier ist der ehrliche Vergleich — Ghost, Substack, Steady — und was für Soloselbständige und Autoren gerade wirklich Sinn ergibt.

Substack vs. Ghost vs. Steady - Wo gibt's die beste Sichtbarkeit?

Ich nutze Ghost. Seit drei Monaten. Und obwohl ich Ghost großartig finde, fange trotzdem gleich damit an, Dir zu sagen, warum ich Dir gerade eine andere Plattform empfehlen würde.

Weil es hier nicht um mich geht.

Wenn Du als Soloselbständige oder Autor gerade überlegst, wo Du anfangen sollst — und Dir diese drei Namen begegnet sind: Ghost, Substack, Steady — dann ist das hier keine hübsche Vergleichstabelle mit grünen Häkchen. Sondern das, was ich Dir sagen würde, wenn Du mich direkt fragst.

Was alle drei Anbieter gemeinsam haben und sie von reinen Newsletter-Anbietern wie Mailchimp oder Getresponse unterscheidet: Du kannst einfach einen Post schreiben, der auf einer Website erscheint und gleichzeitig als Newsletter ins Postfach Deiner Abonnenten landet. Der Unterschied liegt darin, was diese Funktion bei jeder Plattform ist — bei Substack und Ghost ist das der Kern, bei Steady eher ein Zusatz zu einem Membership-Modell.

Aber was bedeutet das, wenn Du für Deine Inhalte Sichtbarkeit erreichen möchtest? Schauen wir uns die Plattformen genauer an:


Steady: Solide. Aber noch nicht für Dich.

Steady ist ein deutsches Produkt, 2016 in Berlin gegründet, und es macht vieles gut. DSGVO-konform, die Mehrwertsteuer wird automatisch abgerechnet, Mitgliedschaftspakete lassen sich flexibel gestalten. Für Podcaster und Medienmacher, die schon ein Publikum haben und es monetarisieren wollen, ist Steady eine echte Option.

Das Stichwort: die schon ein Publikum haben.

Steady sagt das sinngemäß selbst: Die Plattform lohnt sich erst, wenn Du bereits Feedback für Deine Arbeit bekommst — wenn jemand da ist, der zahlen könnte. Das ist ehrlich. Es bedeutet aber auch: Steady ist nicht dafür gebaut, dass Dich neue Leser finden. Es gibt keinen Feed, keine Discovery-Funktion, kein Netzwerk, das Dich Fremden zeigt. Steady bleibt bewusst im Hintergrund. Die Plattform will, dass Du als Marke sichtbar bist, nicht Steady.

Klingt gut. Ist es auch — wenn Dich schon jemand kennt.

Am Anfang bringt Dir das wenig.


Ghost: Mein Tool. Aber kein Einstiegs-Tool.

Ich stehe zu Ghost, auch in diesem Text. Open Source, volle Kontrolle über Design, Daten und Domain (mir besonders wichtig). Ich habe das bewusst gewählt, weil ich eine unabhängige Infrastruktur wollte — und das stimmt heute noch.

Ghost hat auch eine Empfehlungsfunktion und ein Verzeichnis namens Ghost Explore, über das sich Sites listen können. Seit 2025 gibt es sogar eine Verbindung ins Fediverse: Deine Ghost-Seite bekommt damit eine Präsenz bei Mastodon, Threads und ähnlichen Netzwerken, und Leser können Dir dort folgen, ohne Dein E-Mail-Abonnent zu sein. Langfristig ist das ein spannender Ansatz.

Kurzfristig bringt es Dir wenig neue Leser.

Denn das Fediverse ist fragmentiert. Ghost Explore ist nett, aber kein Wachstumsmotor. Du musst Deine Leser mitbringen — über LinkedIn, persönliches Netzwerk, SEO. Das geht, aber es braucht Zeit und Aufbauarbeit, die Du am Anfang noch parallel leisten musst.


Substack: Die Empfehlung, an die ich mich selbst hier nicht halte

Ich selbst nutze Substack für ein anderes Projekt von mir. Den Moonwriter. Und bin sehr zufrieden damit. Denn ende 2025 hat Substack etwas verändert, das die anderen beiden im Moment nicht haben: eine funktionierende Discovery-Engine.

Notes — die plattforminterne Social-Feed-Funktion — war lange eine Art Twitter-Ersatz innerhalb von Substack. Seit Ende 2025 ist sie etwas anderes. Substack hat den Algorithmus umgebaut, weg von „was Deine bestehenden Abonnements posten" hin zu „wer könnte Dich interessieren, den Du noch nicht kennst". Standort und Sprache spielen dabei eine Rolle. In der Praxis bedeutet das: Wenn Du auf Deutsch schreibst, wirst Du deutschsprachigen Lesern gezeigt.

Die Zahlen dahinter sind bemerkenswert: In drei Monaten sind global 32 Millionen neue Abonnements direkt aus der App entstanden — nicht über Google, nicht über externe Links. Direkt über die Plattform.

Das ist strukturell anders als alles, was Steady und Ghost gerade bieten.

Und dann ist da noch das Deutschland-Timing. Der deutschsprachige Markt auf Substack ist noch vergleichsweise leer. Es gibt ein deutsches Team, Substack investiert aktiv hier — und wer jetzt anfängt, findet weniger Konkurrenz als in einem Jahr. Die Top-Publikationen auf Deutsch kommen laut Substack bereits auf sechsstellige Jahresumsätze. Da ist gerade ein Zeitfenster offen.

Und noch was: Discovery auf Substack passiert innerhalb der Plattform. Du brauchst dafür kein Instagram, kein TikTok. Du schreibst kurze Notes — Gedanken, Einschätzungen, Fragen — und das Netzwerk macht einen Teil der Arbeit. Sichtbar sein, ohne Social Media zu mögen. Klingt bekannt, oder? 😉


Was das für Dich bedeutet

Wenn Du heute anfängst — ohne bestehendes Publikum, ohne große Liste:

Nimm Substack. Kostenlos solange Du nichts verdienst. Eingerichtet in einer Stunde. Die Discovery-Mechanik arbeitet für Dich.

Wenn Du schon eine Community hast und Monetarisierung strukturieren willst, oder wenn Du Podcaster bist und mehrere Kanäle zusammenführen möchtest:

Schau Dir Steady an.

Wenn Du weißt, dass Du langfristig eine vollständig unabhängige Infrastruktur aufbauen willst, und bereit bist, den technischen Einstieg zu investieren:

Dann kommt Ghost — aber wahrscheinlich nicht als erstes Tool.


Ich nutze Ghost. Und ich empfehle Dir gerade Substack. Das liegt nicht daran, dass Ghost schlecht ist. Sondern daran, dass die beste Plattform für Kontrolle und die beste Plattform für Wachstum gerade zwei verschiedene sind.

Fang mit der an, die Dir Leser bringt.

Welche Plattform nutzt Du — oder welche überlegst Du Dir? Ich bin neugierig. Schreib mir gerne. ♥️

Take-Away

Steady braucht ein Publikum. Ghost braucht Aufbauarbeit. Substack bringt Dir gerade beides mit — Discovery und einen deutschen Markt, der noch nicht überlaufen ist.